Gedenkaktion "Mahnwache und STOLPERSTEINE putzen"

Freier Sendeplatz für „Hans Richard Levy - Kindertransporte nach England 1938/39“

“Radio Blau und Radio Corax haben sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Nationalsozialismus von seiner unmenschlichen Seite nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Deshalb gab es bei der Vollversammlung vom Radio Blau e.V. am 8. Januar auch keine große Diskussion, sondern sofortigen Zuspruch als Richard Gauch nach einem freien Sendeplatz fragte. Der bei den Hörerinnen und Hörern bekannte Moderator Thomas "Kuno" Kumbernuß sagte sofort zu, als es darum ging eine Sondersendung der AG "Mahnwache und Stolpersteine putzen" beim Friedenszentrums e.V zu dem Hörbuch „Hans Richard Levy - Kindertransporte nach England 1938/39“ zu fertigen.


Seit dem 22. April 2009, dem Tag, an dem uns die erste E-Mail von Marianne Wintgen aus Berlin erreichte, beschäftigt uns das Thema Kindertransporte nach England. Zuerst recherchierten wir über das Leben der Familie Berthold Levy und schrieben die Ergebnisse auf unsere Webseite. So weckten wir das Interesse des MDR und der Mitarbeiter von " Spur der Ahnen". Infolgedessen entstand der Film „Der kleine Junge und die Nazis“ von Anett Friedrich über das Leben und Leiden der jüdischen Leipziger Familie Berthold und Charlotte Levy. Hans Richard Levy, der Sohn der Familie, wurde mit einem der Kindertransporte nach England in Sicherheit gebracht.

Diese Geschichte dokumentierten wir in einer ersten Broschüre, welche wir im Rahmen eines Schülerprojektes am 6. Oktober 2009 im Ariowitsch Haus an Hans Richard Levy übergaben. Die Lesefreunde des Vereins „LeseLust“ - Leipzig e.V. haben diese Broschüre als Audio-Datei eingelesen und so entstand ein Hörbuch dazu, welches wir ebenfalls an Hans Richard Levy bei seinem ersten Besuch, nach über siebzig Jahren, in Leipzig überreichten.

 

In der Sondersendung unter dem Motto "Gedenken setzt Wissen voraus!", zum Hörbuch „Hans Richard Levy - Kindertransporte nach England 1938/39“ wird es viele interresante Höhepunkte geben. So wird Frau Marianne Wintgen, die Verwandte von Hans Richard Levy; welche das Projekt erst ins Rollen brachte und er, Hans Richard Levy selbst, in Rahmen eines Interviews, zu Wort kommen.

 

Das Buch „Er war doch nur ein neunjähriger Junge: Hans Richard Levy - Kindertransporte nach England 1938/39“, welches nun auch in drei Sprachen Deutsch, Englisch und Russisch vorliegt, wurde zwei Jahre später in überarbeiteter Form fertiggestellt.

Es gab verschiedene Stationen im Leben der jüdischen Familie Charlotte und Berthold Levy, sowie deren Kinder Hans Richard und Elisabeth, welche im Hörbuch und im Buch selbst beschrieben sind und diese Orte sind noch immer in Leipzig zu finden.

Das Haus, Brandvorwerkstraße 80, den letzten freiwillig gewählten Wohnort der Familie Levy, vor dessen Eingang ein Stolperstein für Berthold Levy in den Gehweg eingelassen ist. Die ehemalige Strick- und Wirkwarenfabrik der Gebrüder Frank in der Berliner Straße 60, vor dessen Werktor Berthold Levy am 9. November 1939 in der Pogromnacht, verhaftet und anschließend in ein Leipziger Polizeigefängnis eingesperrt wurde. Am 23. April 1939 starb Berthold Levy an seiner Krankheit und den Folgen der Misshandlungen während der Haft. Der Standort der ehemaligen Synagoge, in der Berthold Levy und seine Familie ihre Religion ausübten, welcher heute eine Ort des Gedenkens, in der Gottschedstraße ist. Das ehemalige Kaufhaus "Bamberger und Herz" am Augustusplatz, welches in der Pogromnacht von den Nazis in Brand gesetzt wurde. Sowie der Alte Israelische Friedhof, zwischen der Berliner Straße und der Theresienstraße, auf dem Berthold Levy und die Familie Richard Frank begraben sind.

 

Über dies und noch vieles mehr werden wir berichten. So auch über "Hörstolpersteine".

 

„Hörstolpersteine“? Was ist denn das?

 

Radio Blau (Projektbetreuung: Diana Röntsch und Melanie Albrecht) und die AG "Mahnwache und Stolpersteine putzen" beim Friedenszentrums e.V. - Leipzig beteiligen sich an dem Projekt "Hörstolpersteine". Im Rahmen des Projekts haben sich mehrere Freie Radios aus Deutschland und Österreich das Ziel gesetzt, den Stolpersteinen von Gunter Demnig eine weitere Dimension hinzuzufügen. Im Rahmen des Projekts werden Stolpersteinbiografien vertont.

In Form von kurzen Radiobeiträgen erinnern die Hörstolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus. Ähnlich den Stolpersteinen auf der Straße tauchen sie unerwartet im Programm von Radio Blau auf und sollen aufmerksam machen und die Namen und Geschichten der Opfer bewahren. Im Rahmen des Projekts werden bis zum 9. November 2013, dem 75. Gedenktag der Reichspogromnacht, zu möglichst allen Stolpersteinen in Leipzig die dazugehörigen „Hörstolpersteine“ erstellt und gesendet. Die ersten 20 Hörstolpersteine sind nun fertig und der erste wurde am 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer der NS-Diktatur gesendet. Auch für Berthold Levy wurde ein Hörstolperstein, vom Projektleiter der AG „Mahnwache und Stolpersteine“ eingelesen.

 

Neugierig geworden? Dann heißt es am 24. Februar, um 15 Uhr, Sondersendung auf Radio Blau im Internet unter http://www.radioblau.de/ oder auf UKW 99,2 MHz in Connewitz sowie 94,4 MHz & 89,2 MHz bzw. 97,9 MHz im Kabelnetz anhören. Vielleicht hören wir dann auch den „Hörstolperstein“ für Berthold Levy?