Gedenkaktion "Mahnwache und STOLPERSTEINE putzen"

Impressionen am Stolperstein

Rückmeldungen 2014

 

17.11.2014

Liebe Frau Gallhoff,
 
hiermit möchten wir noch einmal mitteilen, dass "unser" Stolperstein (Klasse 10b des Brockhaus-Gymnasiums) der für Henri Hinrichsen ist, um den wir uns auch weiterhin gern kümmern wollen. Wegen Straßen-Bauarbeiten in der Goldschmidtstraße ist der Stein entfernt wurden. Nach Auskunft von Bauarbeitern, die wir im Vorfeld des 9. November befragt haben, soll der Stolperstein auch wieder verlegt werden. Wann und durch welche Firma das passieren soll, konnte uns leider keiner sagen.

Darum haben wir "nur" an der Gedenkveranstaltung teilgenommen.
Wir hoffen, dass der Stein wieder an seinen Platz kommt und sind Ihnen für jede neue Information diesbezüglich dankbar.

Herzliche Grüße
Gabi Kolb und die Klasse 10b

 

12.11.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

einen schönen Gruß aus 19243 Wittenburg ! Unsere Stolpersteinputzaktion ist super gelaufen! Wetter war trocken aber kalt, wir waren ca. 30 Personen und keine Auffälligkeiten.  Bilder finden Sie unter FB Stolpersteine Wittenburg

Schöne Grüße
Gerd Wendt

 

18.11.2014

Sehr geehrte Frau Gallhoff,

danke für Ihre Mail, worauf ich Ihnen gern antworte.
 
Frank Burckhardt und ich (Regina Kretschmer) haben uns gefreut, an der Aktion teilzunehmen. Wir hatten uns die Stolpensteine Nr. 77 ausgesucht.
 
Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Beobachte, was früher war, dann weißt du, was kommen wird." Da soetwas wie im 3. Reich aber nie wieder kommen darf, dafür treten wir als Privatpersonen ein. Die Aktion bot uns einen guten Anlass dazu beizutragen.
 
Gegen 16 Uhr waren wir in der Nikolaistr. 31 und haben die 3 Stolpersteine gesehen (Bild 1178). Allerdings war es notwendig zu putzen, da man kaum noch die Schrift lesen konnte. Aber fest waren die Steine.
 
Bei diesen Steinen gibt es keine Putz-Patenschaft. Als wir begannen (Bild 1184 und Bild 1188), die Steine zu putzen kam eine Bewohnerin aus dem Haus, welche zum Gottesdienst in die Nikolaikirche gehen wollte und hat sich ganz spontan bei uns bedankt, dass wir die Steine putzen. Das war für uns ein sehr emotionaler Moment und wir erklärten ihr die Aktion. Dieses fand sie sehr positiv und wir tauschten weitere Informationen mit ihr aus.
 
Wir hatten Herbstblumen aus unserem Garten mitgebracht und eine Kerze zum stillen Gedenken. Nun glänzten die Steine wieder in neuer Pracht. Gemeinsam haben wir die vom Caffee Tiefensee abgeholten Lebensläufe der Familie Landsberg vorgelesen (Bild 1190) und die Geschichte dieser Menschen reflektiert. Einfach nur unvorstellbar! Da wir im letzten Herbst selbst in der Gedenkstätte Auschwitz waren hatten wir eine ungefähre Vorstellung des erlebten Grauens.
 
Viele Passanten gingen vorbei, einige schauten neugierig und interessierten sich von selbst für unser Tun, andere sprachen wir direkt an (Bild 1192.) Besonders gefreut haben wir uns, dass auch einige Leipziger von der Aktion wußten. (Bild 1194)
 
Nach der Aktion vor Ort gingen wir gern der Einladung zur Gedenkstätte in der  Gottschedstraße nach. Unsere Kerze ließen wir unterwegs leuchten und so kam es, dass uns an der Gedenkstätte der Fotograf der LVZ ansprach. Und das Foto, welches am kommenden Tag in der LVZ mit der Kerze abgebildet war, freute uns besonders - es war mit unserer Kerze in meinen Händen.
 
Sehr bedauert haben wir, dass das Ariowitsch-Haus dunkel war, als wir gegen 19 Uhr ankamen und kein Ausklang der Aktion stattfand, wie von Ihnen angekündigt. Wir wollten schon lange einmal in diesem Haus weilen und der Anlass schien uns ganz besonders geeignet. Mit einer Dame, deren Namen wir nicht erfragt hatten, von Ihrem Verein kam auch noch mit ihrem Fahrrad und war ebenfalls erstaunt, dass hier nichts mehr an diesem Abend ist.
 
Eine 2. Putzaktion zum 8. Mai begrüßen wir. Da dieser Tag im nächsten Jahr ein Freitag ist, können wir unsere Teilnahme nicht zusagen, da wir beide Vollzeit arbeiten. Dieses Jahr war es perfekt für uns auf dem Sonntag.
 
Wir wünschen Ihnen und Ihrem Verein weiterhin viel Erfolg und herzliche Grüße
 
Regina Kretschmer & Frank Burckhardt
 

Aktion Stolpersteine putzen, 9.11.2012 

Der 9. November 1938 markiert als »Reichsprogromnacht« den vorläufigen Höhepunkt der Judenverfolgung ab 1933 in Deutschland und war Ausgangspunkt für eine unbeschreibliche Grausamkeit. Dieser Tag ist bis heute prägend für viele Jüdinnen und Juden. Jenes »Novemberprogrom« 1938 bildete die Ausgangslage eines systematisch organisierten Vernichtungswahns, dessen grausames Ende die Shoa war.

Wir möchten Gesicht zeigen und uns bewusst gegen Antisemitismus und andere menschenverachtende Einstellungen engagieren. Aus diesem Grund beteiligten wir uns als Mitglieder des Jugendvereins Agenda Alternativ e.V. auch 2012 wieder aktiv an der Gedenkaktion “Mahnwache und Stolpersteine putzen” in Leipzig, Dresden und Schneeberg. Dabei reinigten wir Stolpersteine, legten Blumen ab, verlaßen die Biografien und entzündeten an den jeweiligen Orten eine Kerze.

Die Stolpersteine stellen in den Boden eingelassene Gedenktafeln aus Messing dar, auf denen die Namen von Opfern der NS-Diktatur verzeichnet sind. Sie befinden sich jeweils an den letzten Wohnorten der Opfer. Durch die Unterstützung der Aktion "Stolpersteine putzen" wollten wir den verschleppten Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch und konfessionell Verfolgten, Homosexuellen und Euthanasieopfern dieser Tage gedenken und ein Zeichen gegen immer noch bestehende diskriminierende Ideologien in weiten gesellschaftlichen Teilen setzen.

Wir haben fast 45 Minuten bei interessanten Gesprächen dort zugebracht, Kerzen für alle entzündet, nachdem wir den Steinen neuen Glanz verliehen haben. Da wir alle schon etwas älter waren und zum Teil Enkel haben, waren alle besonders erschüttert über die ermordeten Kinder, über ihr furchtbares Schicksal und gaben unserer Hoffnung Ausdruck, dass unseren Nachkommen niemals so etwas geschieht.

vom Bürgerverein Kolonnadenviertel.



Toll fand ich, dass diese Bürger noch extra Zettel in die Häuser gehängt hatten, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Es war auch für uns ein tolles Erlebnis.



Es gab keinerlei Problem bzw. Störungen. Im Gegenteil es gab interessante Gespräche mit alten "Leutzschern" zur Kriegszeit und zum Umgang mit jüdischen Mitbewohnern. Alles in allem ein sehr gutes Gedenken.



Es wird mir noch eine Zeit nachhaltig in Erinnerung bleiben und ich werde auch den Verwandten der Familie Haber einen Brief und Bilder senden. Die Stolpersteine sollte man vielleicht besser mit einem Metallputzmittel säubern; das nur als Anregung für ein nächstes Mal. Sie würden glänzend doch erst einmal wieder mehr ins Auge fallen und man sähe, dass etwas gemacht wurde. Eine weitere Anregung: ich fände eine Stunde Mahnwache etwas
angemessener. Aber sicher ist der Zeitplan schwer abzustimmen.

Also vielen Dank und hoffentlich bis zum nächsten Jahr!
 


Die Organisation war wieder sehr gut. Auch wenn wir mal wieder über die Flut der E-Post gestöhnt haben so sind wir doch der Meinung dass wir das so nicht geschafft hätten.



Es wurden die Lebensläufe und Gedichte vorgetragen, von eigenen Erlebnissen an jenem Tag berichtet und auf die Gefahr einer sich verstärkenden "braunen" Ideologie (siehe auch 17.10.), besonders unter Jugendlichen , hingewiesen. Allen fiel schwer, das öffentliche Gedenken auf diese paar Minuten zu beschränken und die Blumen und Kerzen so schnell wieder zu entfernen. Es wurde festgestellt, dass wir es leider wieder nicht geschafft haben, z. B. die umliegenden Anwohner zur Teilnahme zu bewegen. Über offensivere, direktere Veröffentlichung wird nachgedacht.

Ja, das waren wirklich angemessene und gute Veranstaltungen. Damit bekamen die Jubelfeiern auch ihre dringend notwendige Einbettung in die deutsche Geschichte. Ohne Faschismus, Krieg und Massenmord keine DDR ........... usw., was halt ein dialektischer Blick dann noch in der Lage ist, zusätzlich ans Licht zu bringen.
Dem Richard und den anderen sei gedankt.
 


Der Stein war, wie bereits im letzten Jahr, frisch geputzt; so dass es nicht schlimm war, dass ich kein "Elsterglanz" dabei hatte. Wir entzündeten die mitgebrachten Kerzen und verlasen den Lebenslauf. Eine Zeitzeugin schilderte die damaligen Ereignisse. Eine der Anwesenden arbeitet offensichtlich im Archiv und erzählte aus Ihrer Sicht, wie (und mit welchen Mitteln) die deutsche Bürokratie die Vernichtung der Juden erst ermöglichte. Die Gesprächsthemen berührten nicht nur die Vergangenheit, sondern kamen über die Ursachendiskussion in der Gegenwart an. Gut fand ich, dass es nicht nur bei der Analyse der Situation blieb, sondern auch ein Austausch über Möglichkeiten und Aktionen stattfand.
 

Mit 2 Passanten haben wir ein gutes persönliches Gespräch zu unserer Aktion geführt.
 

Die rege Beteiligung an der Gottschedstr. hat mich freudig überrascht, Herr Funkner wie immer Spitze, Christel hat hervorragende Texte beigetragen, die Gedenkworte angemessen und unser Anliegen unterstützend optimal.
 

Es gab keine Schwierigkeiten. Ein Hausbewohner möchte eine Gedenktafel im Haus aufhängen.

Aktion Stolpersteine – auch in Schönefeld

Schon mal was davon gehört? Nein. Dann lesen Sie einfach weiter.

Diese Aktion wurde von Menschen ins Leben gerufen, die auf Spurensuche gegangen sind, um ausgelöschtes Leben, wie auch begangenes Unrecht wieder sichtbar zu machen. Auch wenn höchstwahrscheinlich keinen von den geneigten Leser/innen persönliche Schuld trifft, muss Erinnerung dennoch gelebt werden, um eine Wiederholung, wann auch immer, unmöglich zu machen.

Die beispiellose Vernichtung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die vor 70 Jahren mit dem Brand der Synagogen im ganzen Land ihren Anfang nahm, ist nicht zu leugnen und darf nie wieder möglich sein. Wehret den Anfängen!

Auch heute werden erneut Schuldzuweisungen laut und leider oft an Stammtischen und anderswo wiederholt, wonach „die Anderen“, ob MigrantInnen oder Jüdinnen und Juden, an der soziale Schieflage im Land Schuld trügen. Damit wir nie vergessen, wohin dies führte, gibt es diese Stolpersteine. Denn die Betroffenen waren unsere Nachbarn, unsere Schulkameraden – auf jeden Fall waren sie nie anonym.

Auch in Schönefeld gibt es solch einen Stolperstein (Nr. 53) an der Gorkistraße 133. Oftmals bin auch ich achtlos darüber hinweg gegangen, ohne ihn überhaupt zu bemerken. Damit dieses Zeitzeichen wieder sichtbar wird, haben sich Mitglieder des OV LINKE/ Schönefeld am 9. November 2009 dort zu einer kleinen „Mahnwache“ getroffen, um Abo Spur zu gedenken, dessen Leben wie das von Millionen anderen Juden in Auschwitz ausgelöscht wurde.

Einen Abriss seiner Biographie werden Sie vielleicht in Zukunft auch am Haus Gorkistraße 133 finden, wenn dieses Schreiben nicht gleich wieder entfernt wird. Wir danken dem Autor Achim Beier, der als Mitglied des Vereins Archiv Bürgerbewegung Leipzig diesen Text erarbeitete und uns den Abdruck an dieser Stelle ausdrücklich gestattet.

Petra Ertel

Abo Spur- er ist nicht vergessen!

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